Goran Cvetković im Interview zwischen den Serien
Die Viertelfinals sind geschafft, die Halbfinals stehen bevor. Höchste Zeit unseren Cheftrainer und Sportchef Goran Cvetković im exklusiven Interview zu Wort kommen zu lassen.
Goran, wie fühlt es sich an, die Halbfinals erreicht zu haben?
Goran Cvetković: «Es ist ein gutes Gefühl, im Halbfinal zu stehen. Die Mannschaft hat im Viertelfinal ihre Aufgabe insgesamt solide gelöst und die nötige Leistung abgerufen. Wir wissen, dass das ein wichtiger Schritt ist, aber auch, dass noch nichts erreicht ist. Jetzt gilt es, weiter konzentriert zu arbeiten und uns auf die nächste Herausforderung vorzubereiten.»
Was war ausschlaggebend dafür, dass die Viertelfinal-Serie zu unseren Gunsten entschieden werden konnte?
Goran Cvetković: «Ausschlaggebend war die konstante Einstellung der Mannschaft über die gesamte Serie hinweg. Wir sind von Spiel zu Spiel gegangen und haben unsere Leistungen jeweils richtig eingeordnet. Das hat sich im engen Auftaktspiel gezeigt, das wir für uns entscheiden konnten. In Spiel zwei hat es unter speziellen Umständen knapp nicht gereicht, aber in den Spielen drei und vier haben wir unter wachsendem Druck wieder die nötige Stabilität und Mentalität gezeigt.»
Wie ordnest du den Erfolg im Entwicklungsprozess ein?
Goran Cvetković: «Ich ordne das bewusst als Meilenstein und nicht als abschliessenden Erfolg ein. Der Hintergrund ist, dass ein Teil der Mannschaft noch wenig Erfahrung auf diesem Niveau hat. Einige Spieler haben im vergangenen Jahr noch im Nachwuchs gespielt oder stehen erstmals in solchen Playoff-Situationen auf dem Feld. In Relation zu dieser Ausgangslage hat die Mannschaft sehr gut gearbeitet und diesen Schritt verdient erreicht. Gleichzeitig geht es im Entwicklungsprozess darum, diese Erfahrungen einzuordnen, daraus zu lernen und die nächsten Schritte konsequent anzugehen.»
Welche Erfahrungen, Emotionen und Erkenntnisse nehmt ihr als Team aus der Viertelfinal-Serie mit in die Halbfinals?
Goran Cvetković: «Wir nehmen aus dieser Serie sehr viele wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse mit. Wir haben gegen einen Gegner gespielt, der über grosse Qualität und viel internationale Erfahrung verfügt und über weite Strecken in Vollbesetzung antreten konnte. Gleichzeitig hat unsere Mannschaft über einen längeren Zeitraum gezeigt, dass sie auch mit personellen Ausfällen umgehen und dennoch auf diesem Niveau bestehen kann. Das ist ein wichtiger Punkt in unserer Entwicklung.
Die Serie hat zudem verdeutlicht, dass wir mit der richtigen Einstellung, Disziplin und Mentalität auch Teams schlagen können, die individuell sehr stark besetzt sind.
Ein Dank geht an den TSV St. Otmar St. Gallen und Michael Suter für eine intensive und sehr faire Serie, sowohl auf dem Spielfeld als auch an der Seitenlinie.
Es gab einige Momente, die in Erinnerung bleiben werden, für uns wie auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer.
Was die Einschätzungen im Vorfeld betrifft: Es hat mir nicht gefallen, dass wir teilweise in die Favoritenrolle eingeordnet wurden. Nicht, weil diese Einschätzung grundsätzlich unberechtigt ist, sondern weil ich grossen Respekt vor jedem Gegner habe und unsere Mannschaft ihre Aufgaben mit Demut angeht. Wir konnten dieser Rolle gerecht werden, aber solche Einordnungen bergen immer die Gefahr, den Fokus oder die richtige Wahrnehmung zu verlieren. Deshalb war es uns wichtig, bei uns zu bleiben und die Serie mit der nötigen Klarheit anzugehen.»
Du hast es angesprochen: wie gelang es euch derart eindrücklich, die gewichtigen Ausfälle von Mehdi Ben Romdhane, Tiago Cuencas und Mischa Romer zu kompensieren?
Goran Cvetković: «Wir verstehen uns in erster Linie als Pfadi Winterthur und definieren uns über das Kollektiv, nicht über einzelne Spieler.
Es ist Teil unserer Identität, dass wir uns nicht von einzelnen Ausfällen abhängig machen. Deshalb ist es unser Anspruch, Ausfälle gemeinsam zu kompensieren. Die aktuelle Situation besteht zudem schon länger, wir mussten im bisherigen Jahr wiederholt auf wichtige Spieler, auch Nationalspieler, verzichten.
Die Mannschaft hat darauf reagiert, indem sie enger zusammengerückt ist und Verantwortung breiter verteilt hat. Natürlich gibt es Phasen, in denen sich solche Ausfälle bemerkbar machen, aber entscheidend ist der Umgang damit. Und da hat das Team gezeigt, dass es Lösungen findet.
Unsere Ziele und unsere Vereinsgeschichte verpflichten uns dazu, keine Ausreden zu suchen. Gleichzeitig wäre es den Spielern gegenüber, die in dieser Situation mehr Verantwortung übernehmen, nicht gerecht, den Fokus auf die Abwesenden zu legen.»

Wie blickst du auf die Halbfinal-Serie voraus?
Goran Cvetković: «Wir treffen auf einen Gegner mit hoher individueller Qualität, viel Erfahrung und klaren Abläufen. Die bisherigen Duelle geben uns eine gute Grundlage für die Einordnung: Im Cup ist es uns gelungen, sie früh zu fordern und zu besiegen, in der Meisterschaft haben sie uns in ihrer Halle zweimal geschlagen. Das zeigt einerseits ihre Konstanz, andererseits aber auch, dass wir Lösungen gegen sie finden können.
Für die Serie wird entscheidend sein, dass wir als Mannschaft geschlossen auftreten und unsere Leistung konstant auf das Feld bringen. Gleichzeitig ist es auf diesem Niveau auch wichtig, dass individuelle Qualität in den entscheidenden Momenten zum Tragen kommt, sowohl im kollektiven Zusammenspiel als auch in einzelnen Aktionen.
Wir müssen in der Lage sein, auf unterschiedliche Spielsituationen zu reagieren, Anpassungen vorzunehmen und über mehrere Spiele hinweg stabil zu bleiben. Dabei geht es nicht nur um einzelne Phasen, sondern um die Konsequenz über die gesamte Serie.
Wir wissen, was der Gegner mitbringt, aber wir kennen auch unsere Entwicklung und die Erfahrungen, die wir in dieser Saison gesammelt haben. Wenn es uns gelingt, unsere mannschaftliche Geschlossenheit mit gezielten individuellen Impulsen zu verbinden und unsere Möglichkeiten konsequent zu nutzen, dann haben wir eine klare Basis, um diese Serie erfolgreich zu gestalten.»
Der HC Kriens-Luzern wartet – auf was für einen Gegner stellt ihr euch ein?
Goran Cvetković: «Der HC Kriens-Luzern präsentiert sich aktuell als eine der offensivstärksten Mannschaften der Liga. Die Viertelfinal-Serie mit konstant über 40 erzielten Toren unterstreicht ihre Effizienz und Durchschlagskraft im Angriff. Sie verfügen über mehrere Spieler mit hoher individueller Qualität, die in unterschiedlichen Spielsituationen Lösungen finden können, sowohl aus dem Positionsangriff als auch im Umschaltspiel.
Für uns wird entscheidend sein, ihre Torausbeute gezielt zu reduzieren. Das beginnt bei einer stabilen, gut abgestimmten Abwehrarbeit, geht aber darüber hinaus. Ein weiterer zentraler Punkt wird unser eigenes Angriffsspiel sein, insbesondere der Umgang mit Ballverlusten. Kriens-Luzern ist sehr konsequent darin, Fehler unmittelbar zu bestrafen und einfache Tore zu generieren.
Entsprechend geht es für uns darum, die richtige Balance zu finden, defensive Stabilität, klare Abläufe im Angriff und ein bewusstes Risikomanagement im Spiel nach vorne. Gleichzeitig wird es wichtig sein, in den entscheidenden Momenten auch individuelle Lösungen zu haben, um Druck auf ihre Defensive auszuüben.
Wenn es uns gelingt, diese Faktoren zu verbinden und über längere Phasen konsequent umzusetzen, können wir ihre Stärken gezielt herausfordern. Darauf richten wir unsere Vorbereitung aus.»
Nach einer intensiven Viertelfinal-Serie habt ihr sechs Tage zur Vorbereitung auf eine erneut intensive Serie – wie nutzt ihr diese?
Goran Cvetković: «Wir befinden uns seit Anfang April im Playoff-Modus und haben unseren gesamten Fokus entsprechend ausgerichtet. In dieser Phase ordnet die Mannschaft vieles dem gemeinsamen Ziel unter, sowohl im Training als auch in der Regeneration.
Dass wir die Viertelfinal-Serie in vier Spielen abschliessen konnten, gibt uns die Möglichkeit, die Woche gezielt zu nutzen. Einerseits geht es darum, körperlich und mental zu regenerieren, andererseits wollen wir die Zeit nutzen, um uns taktisch und inhaltlich optimal auf den Gegner vorzubereiten.
Wir gestalten die Woche bewusst so, dass wir die richtige Balance zwischen Intensität und Frische finden. Dazu gehört auch ein gemeinsamer Teamevent, um den Zusammenhalt weiter zu stärken. Parallel dazu liegt der Fokus klar auf der sportlichen Vorbereitung, damit wir in allen relevanten Bereichen bereit sind, wenn die Serie startet.»
Ihr kehrt in die Pilatus Arena zurück – in welcher ihr das Final4 erlebt und die Silbermedaille gewonnen habt. Welche Gefühle begleiten euch?
Goran Cvetković: «Die Pilatus Arena ist für uns nach dem Final4 und den bisherigen Spielen in der Meisterschaft keine unbekannte Umgebung mehr. Deshalb sehen wir sie nicht als besonderen Faktor für die Serie.
Gleichzeitig ist es eine der schönsten und modernsten Arenen der Liga, mit einer guten Atmosphäre. Es ist immer attraktiv, unter solchen Bedingungen zu spielen.»
Welche Rolle spielt die Pfadi-Familie? Zuhause und Auswärts?
Goran Cvetković: «Zuerst einmal möchte ich im Namen des gesamten Teams und Staffs ein grosses Dankeschön an unsere Pfadi-Familie aussprechen!
Die Unterstützung über die gesamte Saison hinweg war spürbar und zwar in jeder Phase. Es wurde mitgefiebert, mitgelitten und mitgefeiert, und genau das macht diesen Verein aus.
Gerade jetzt, in dieser entscheidenden Phase, gewinnt diese Unterstützung nochmals an Bedeutung. Unser Heimspiel ist für uns ein echtes Highlight, und wir wünschen uns, dass möglichst viele den Weg in die Halle finden.
Ich möchte insbesondere auch unsere Nachwuchsspieler einladen: Nutzt die Gelegenheit, Spiele auf diesem Niveau live zu erleben, euren Vorbildern zuzuschauen und Teil dieser Atmosphäre zu sein!
Auch unser gesamtes Umfeld mit Fans, Familien und Unterstützern ist in dieser Phase besonders wichtig. Die Mannschaft hat in dieser Saison gezeigt, mit welcher Leidenschaft und Identifikation sie für Pfadi Winterthur spielt. Diese Energie wird durch die Unterstützung von den Rängen zusätzlich verstärkt, und genau das kann in engen Spielen einen Unterschied machen.
Auch auswärts nehmen wir diese Unterstützung wahr, und sie gibt uns zusätzliche Kraft. Gleichzeitig ist diese Serie eine besondere Gelegenheit, hochklassigen Handball zu sehen unter anderem mit jungen Spielern wie Niclas Mierzwa und Luca Sigrist, die den nächsten Schritt in die Bundesliga machen werden. Es ist eine Chance, diese Qualität und Entwicklung noch einmal live zu erleben!
Wir freuen uns enorm auf die kommenden Spiele und darauf, diese gemeinsam mit unserer Pfadi-Familie zu erleben. Am Ende lebt genau davon unser Sport, von der Verbindung zwischen Mannschaft und Umfeld.»
Und abschliessend, welche Botschaft geht an dein Team?
Goran Cvetković: (lächelnd und gleichzeitig sehr ernst) «Team über alles. Das ist die Grundlage für alles, was wir erreichen wollen!»

